Hans Joachim Albrecht

Skulptur — Farbe
 
 
VORWORT

Auf Hans Joachim Albrecht bin ich über seine Publikationen aufmerksam geworden, die sich auf sehr nachhaltige und erhellende Weise mit verschiedenen Farbkonzepten zeitgenössischer Maler auseinandersetzen. Die Schriften über Robert Delaunay, Josef Albers und Richard Paul Lohse haben inzwischen ein größeres Publikum erreicht. In dem Buch über Hans Hinterreiter wird die fruchtbare Beziehung dieses Malers zur Farbtheorie Wilhelm Ostwalds überzeugend dargestellt. Außerdem gibt es eine Vielzahl kleinerer Texte, etwa über Ellsworth Kelly oder Frank Badur. Weit beachtet worden ist auch der Artikel "Die Farbe in der Skulptur der Gegenwart", den Hans Joachim Albrecht für die Albert Knoepfli gewidmete Festschrift "Von Farbe und Farben" verfaßt hat, erschienen 1980 im Manesse Verlag Zürich. In dieser Untersuchung, die grundsätzliche Einsichten auf eine breitere Vielfalt plastischer Kunstwerke bezieht, gibt der Autor seine eigene Ausgangsposition leichter zu erkennen: Er ist ein profilierter Bildhauer.

Profil gewonnen zu haben, meint die erreichte Klarheit. Im plastischen Werk von Albrecht zeigt sich diese Prägnanz ganz unmittelbar in den zusammengefaßten Formen rhythmisch erlebter Körperlichkeit. Ihre Strukturen werden in langen Studienreihen zeichnerisch erarbeitet und in alternativen Modellen frei organisiert und erprobt. Mit der Zuordnung einer spezifischen Materialfarbe oder durch eine mehrfarbige Fassung gewinnt dann das realisierte Werk eine neue Ebene der Komplexität, sozusagen eine neue Dimension. In seinem Beitrag "Farbige Profile" geht Hans Heinz Holz besonders auf diese erweiterte Bedeutung ein. Die Skulpturen, die uns dieses Buch vorstellt, schwelgen nicht in der Farbe. Sie gehen sehr beherrscht, ja behutsam mit ihr um. Und sie lassen kaum erkennen, daß dieser Bildhauer mehr über die Farben weiß als die meisten Maler.
Antal Nemcsics